Partnergemeinde Neudietendorf

Zur Partnergemeinde Neudietendorf besteht seit über 50 Jahren eine Gemeindepartnerschaft. Schon zur Zeit der Trennung der beiden deutschen Staaten entstanden enge Beziehungen zwischen Wolfschlugen und dem thüringischen Neudietendorf. Als alte Herrenhuter Siedlung ist der jeweilige Pfarrer von Neudietendorf gleichzeitig immer der Pfarrer der dortigen Brüdergemeinde. Zum 50jährigen Jubiläum der Partnerschaft erschien eine kleine Festschrift mit vielen Informationen, die im Pfarramt 1 vorrätig ist.
Die Kirchengemeinde Neudietendorf hat etwa 600 Gemeindeglieder. Durch Besuche in unregelmäßigen Abständen wird auch nach der deutschen Wiedervereinigung der Kontakt gehalten.

Partnergemeinde Ljubljana

Seit Sommer 2007 wächst eine Partnerschaft zwischen den evangelischen Gemeinden in Ljubljana, Slowenien und in Wolfschlugen.
Zur Gemeinde von Ljubljana gehören etwa 600 Gemeindeglieder. Sie verfügt über eine Kirche und ein Gemeindehaus als Versammlungsorte. Das Aufgreifen dieser Partnerschaft wurde vom Kirchengemeinderat Wolfschlugen in seiner Sitzung am 13. Oktober 2007 beschlossen.
Zur Umsetzung dieser Idee hat sich ein Partnerkreis Slowenien gebildet.
Vorläufiger Höhepunkt war die Unterzeichnung einer Partnerschafts-Vereinbarung am Reformationstag, 31. Oktober 2010 in Ljubljana.

 

Partnerkreis Ljubljana - Wolfschlugen

Ansprechpartner Dr. Christof Kling, Sielminger Straße 14, Telefon 07022/53383

 

Homepage der Evangelischen Kirche in Slowenien: http://www.evang-cerkev.si/ljubljana/

Eine unvergessliche Reise auf den Spuren von Primus Truber – zwischen Reformation und Diaspora, zwischen Staatsakt und persönlichen Begegnungen

Ende Oktober waren wir mit einer mehr als 30köpfigen Reisegruppe aus Wolfschlugen –mit einigen Gästen vom Gustav-Adolf-Werk- in Slowenien unterwegs. Anlass war der 500te Jahrestag des Thesenanschlags von Martin Luther, dem offiziellen Gedenktag der Reformation. In Slowenien hat die Reformation noch einmal eine ganz besondere Bedeutung, auch etwas anders, als wir das von Württemberg gewohnt sind. Slowenien wurde in der Zeit der Reformation weitgehend evangelisch, in der Gegenreformation allerdings wieder katholisch. Evangelisch geblieben sind lediglich ein paar Gemeinden im Grenzbereich zu Ungarn, dem sogenannten Übermur-Gebiet, und die Gemeinde in Ljubljana. Trotzdem ist die Reformation in Slowenien bis heute sehr wichtig, denn der slowenische Reformator Primus Truber gilt als der „Gründer“ von Slowenien, in seinem Katechismus verwendete er erstmals die Formulierung „liebe Slowenen“. Interessante neue Erkenntnis für uns: in der slawischen Sprache sind die Slowenen die „mit der Sprache“, während die Deutschen „Nemci“ genannt, die „ohne Sprache“ sind, da man sie nicht verstehen konnte.
Erste Etappe unserer Reise war Ljubljana. Allerdings konnten wir erst am Sonntag anreisen, da an diesem Tag der Ljubljana-Marathon stattfand und wir erst am Abend zum Hotel kommen konnten; vorher waren alle Straßen gesperrt. Nach dem alle ihre Zimmer bezogen hatten, ging es zu einem Restaurant am Standrand, Cad genannt. Für uns mit typisch slowenischem Essen wie Cevapcici etc., unsere slowenischen Freunde legen aber Wert darauf, dass das nicht slowenisch, sondern serbisch ist. Wie auch immer, uns hat es sehr gut geschmeckt und wir haben einen ersten Eindruck von der sprichwörtlichen slowenischen Gastfreundschaft bekommen.
Am Montagmorgen erlebten wir dann eine Stadtführung durch Ljubljana. Der etwas herbe Charme des Stadtführers wurde durch das wunderbar spätherbstliche Wetter ausgeglichen und die Bootsfahrt auf dem Fluss Ljubljanica haben wir sehr genossen. Am Abend ging es dann für die meisten aus der Gruppe in die größte Brauerei des Landes „Union“ zu Führung und Abendessen. Eine kleine Abordnung aber war ins Kulturzentrum eingeladen zum offiziellen Staatsempfang anläßlich des Reformationsjubiläums. Auch wenn wir kein Wort verstanden haben, haben wir trotzdem die Feierlichkeit der Veranstaltung gespürt, die übrigens live im ersten slowenischen Fernsehen übertragen wurde. Und für unsere Freunde von der Evangelischen Kirche Sloweniens war es ein gutes Symbol, dass evangelische Freunde aus Deutschland mit dabei waren.
 
Am Dienstag fuhren wir vormittags zur Geburtsstätte von Primus Truber nach Rasica. Es gibt zwar nicht mehr die Mühle aus dem 15. Jahrhundert, in der die Familie von Truber gelebt hat, trotzdem genossen wir die wunderbare Landschaft und vor allem die anschauliche und eindrückliche Schilderung des Museumsführers.
 
Außerdem schauten wir uns einen Apfelbaum an, den die Kirche der Siebenbürger Sachsen im Rahmen ihrer Aktion „12 Apfelbäumchen für ein klares Wort“ gepflanzt hatte.
Am Nachmittag um 16 Uhr begann dann der große und feierliche Festgottesdienst zum 500ten Reformationsjubiläum, dieses mal aus „unserer“ evangelischen Kirche in Ljubljana. Ebenfalls wieder live im Fernsehen übertragen, Staatspräsident Borut Pahor saß in der ersten Reihe. Besonders gefallen hat den meisten von uns ein slowenisches „Oktett“, einem Männerchor mit ganz wunderbaren Stimmen. Unter anderem sangen sie eine Vertonung des Reformations-Mottos von Primus Truber „stati inu obstati – stehen und bestehen“. Leider haben wir von der Predigt von Bischof Geza Filo nicht sehr viel verstanden, aber eines haben wir trotzdem begriffen, wir wurden als „offizielle Repräsentanten aus Württemberg“ begrüßt. Im Internet haben wir dann gesehen, dass wir es sogar bis in die Fernsehnachrichten geschafft haben. (Beim Link auf das slowenische Fernsehne bitte beachten, dass Sie die Werbung mit dem Feld rechts unten "Preskoci oglas cez" überspringen müssen).

Nach dem Gottesdienst waren alle Besucher, ob prominent oder nicht, noch zu einem Abendessen eingeladen. In diesem Rahmen haben wir unser Gastgeschenk überreicht, eine Edelstahl-Stele mit der Lutherrose und den vier Soli der Reformation.  Dieter Schenk grüßte mit einigen wenigen Sätzen auf Slowenisch, Pfarrerin Ute Werkmann-Eberhardt erklärte in kurzen, aber eindrücklichen Worten die vier Soli und machte gleichzeitig deutlich, was uns diese Partnerschaft bedeutet.Am Mittwoch hieß es dann Abschied nehmen von Ljubljana, wir fuhren an den Bleder See. In dessen Mitte steht auf einer kleinen Insel eine Kirche, das wohl am meisten fotografierte Gebäude von Slowenien, auf praktisch jeder Werbung für Slowenien zu sehen.

Wir fuhren aber nicht auf die Insel, sondern auf die Burg am Rande des Sees. Von ihr aus hat man einen wunderschönen Blick auf den See und außerdem wartete wieder einmal ein besonderes Highlight auf uns in Person des Bürgermeisters Janez Fajfar. Dieser begrüßte uns in seiner Amtstracht und in bestem Deutsch, um uns dann die Geschichte seines Ortes zu erzählen. Geschichtsunterricht vom feinsten und so bild- und kenntnisreich erzählt, dass alle, ob jung oder alt, gerne zuhörten. Er führte uns dann noch in eine Druckwerkstatt, wo uns „Primus Truber“ begrüßte. In diesem Fall nicht der echte, aber eine eindrucksvolle Person mit authentischem Bart, der uns die Druckwerke von Primus Truber nahebrachte. Von der Burg ging es noch ans Ufer des Sees, um eine weitere lokale Spezialität zu genießen, die Bleder Cremeschnitte. Sehr, sehr lecker und sicher komplett kalorienfrei

Danach fuhren wir noch einmal quer durch Slowenien zu unserem zweiten Hotel, in Moravske Toplice, also „Bad Moravske“. Dieses liegt im Übermur-Gebiet, auf Slowenisch „Prekmurje“, also im Gebiet östlich des Flusses Mur. Hier in dieser Region sind die meisten Evangelischen von Slowenien zu Hause. Gleichzeitig ist das ein Gebiet mit Thermalquellen, und so ist das Hotel direkt auch Thermalbad. Das haben wir sehr genossen, denn nach den gut gefüllten Tagen in Ljubljana hatten wir nun etwas mehr freie Zeit, in der wir uns im Thermalwasser erholen konnten.
Am Donnerstagvormittag besuchten wir „Grad“, die größte Schlossanlage Sloweniens. Diese wird nach einem langen Dornröschenschlaf während es Sozialismus in Jugoslawien nun im Rahmen von EU-Projekten Stück für Stück renoviert. Dann ging es zum Essen in das kleine Dorf Skakovci, zwar nur knapp zwei Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt, aber sie servieren hausgemachte prekmurische Spezialitäten.
 
Am Freitag schließlich machten einige aus der Gruppe noch eine Einkaufstour zu einem  Weingut und zu einer Landmetzgerei. Die slowenischen Spezialitäten wie Kürbiskernöl und Schinken bietet der Partnerkreis auch wieder am Wolfschlüger Weihnachtsmarkt an.
 
Am Freitagabend schließlich waren wir zu Gast beim Martini-Essen der Evangelischen Kirchengemeinde Bodonci. Viele kennen sicher inzwischen die Geschichte des „Bienenpfarrers“ Simon Sever, in dessen Gemeinde Bodonci der Neubau des Gemeindehauses durch das Gustav-Adolf-Werk und auch von Wolfschlugen aus, insbesondere durch die Honig-Aktion, unterstützt wurde. Die ganze Gruppe war sichtlich beeindruckt von der Vorstellung der vielfältigen Aktivitäten der Gemeinde Bodonci, von der Jugendarbeit mit der Imkerei bis zur gemeinde-eigenen Musikschule.
 
Das Martini-Essen wurde dann zu einem weiteren unvergesslichen Höhepunkt der Reise und zum Beweis der slowenischen Gastfreundschaft. Besonders beeindruckt waren wir dabei von der Musik des Duo Mystica, bestehend aus der Sängerin Monika Novak und mit dem Gitarrenlehrer Miran Čarni von der Musikschule in Bodonci. Und dass das Martini-Essen und der slowenische Wein gemundet haben, muss nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden.
 
Auf der Rückreise waren sich alle Mitreisenden einig, dass es unvergessliche Tage in Slowenien waren, bei denen uns die Bedeutung der Reformation und des Reformators Primus Truber ebenso deutlich wurde wie die besondere Situation der kleinen Gemeinden in der Diaspora-Situation. Am eindrucksvollsten und bewegendsten sind aber immer wieder die persönlichen Begegnungen und die herzliche Atmosphäre.

Beim Weihnachtsmarkt am 1. Advent 2017 gibt es slowenische Spezialitäten wie Schinken, Salami, Honiglikör und Kürbiskern-Öl zu kaufen, außerdem servieren wir das slowenische Gulasch „Bograc“, wir freuen uns auf Ihren Besuch an unserem Stand!