"Wir fahren auf Sicht"

„Wir fahren auf Sicht" – diese Redewendung habe ich in der letzten Zeit häufig gehört, z.B. von Politikern. Damit ist gemeint: Langfristige Planungen sind gerade nicht möglich, man kann schwer abschätzen, wie sich die Infektionszahlen verändern, wenn allmählich immer mehr Lockerungen kommen. Mit Vorhersagen sind die meisten vorsichtig, keiner kann sagen, wie die Lage in einem Monat oder in einem Jahr aussieht. Dies ist für viele Menschen frustrierend, wir würden doch so gerne wissen: Wann kommt endlich der Impfstoff? Wann kehrt wieder Normalität ein? Wann kann mein Kind zur Schule gehen? Wann kann ich endlich wieder meine älteren Verwandten besuchen? Die Situation „Fahren auf Sicht“ ist für uns sehr anstrengend und belastend. Und fordert viel Geduld von uns.

 

So wie auch das „Fahren auf Sicht" für Autofahren. Denn daher kommt ja die Redewendung eigentlich. Wenn es so nebelig ist, dass alles in einer dichten Nebelsuppe verschwindet und man kaum etwas erkennen kann – dann muss man auf Sicht fahren. D.h. man muss langsam fahren und jederzeit bereit sein, zu bremsen. Falls plötzlich ein Hindernis im Weg steht. So ein Fahren erfordert höchste Konzentration. Denn es ist zermürbend, nur wenige Meter weit sehen zu können und nicht zu wissen. Hilfreich ist es dann, wenn man den Nebelscheinwerfer einschaltet. Er sorgt für zusätzliche Beleuchtung und hilft uns, besser zu sehen. Und dann fällt das Fahren plötzlich leichter.

 

Auch für unsere jetzige Situation gibt es so ein Licht, das uns das Vorankommen leichter machen will. Jesus sagt: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht im Dunkeln gehen." (Joh 8,12). Wer Jesus auf seinem Lebensweg mit dabei hat, der bekommt von ihm Kraft, Geduld und Durchhaltevermögen geschenkt. Und das Vertrauen, dass wir zwar gerade nicht wissen, wie die Fahrt weitergeht, Jesus aber den Überblick hat.

 

Und so wünsche ich Ihnen, dass Sie sich Ihre „Fahrt auf Sicht“ von Jesus erhellen lassen und er Ihnen Geduld und Durchhaltevermögen schenkt.

 

Ihre Pfarrerin Verena Reinmüller

 

Unsere Kirche ist für Sie geöffnet!

Auch wenn wir gerade keine Gottesdienste in der Kirche feiern können, so ist die Kirche trotzdem offen für Sie.

Schauen Sie gerne vorbei, halten Sie einen Moment inne und kommen Sie zur Ruhe. Legen Sie gedanklich alles ab, was Ihnen im Moment Sorge und Unruhe bereitet. „All Eure Sorgen werft auf ihn, denn er sorgt für Euch!“ (1. Petrus 5,7)

Wir haben verschiedene Stationen in der Kirche aufgebaut, Sie können z.B. eine Kerze anzünden oder einen ermutigenden Bibelvers mitnehmen.

Das sicherste Mittel im Kampf gegen Katastrophen

Der unbekannte Politiker Aymar Achille Fould lebte zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Frankreich. Es war eine unruhige Zeit, eine Zeit der Katastrophen und der Kriege, Napoleon wollte die Weltherrschaft erreichen. Eines Tages wurde der Politiker gefragt: Wie kann man ihrer Meinung nach am besten gegen die Katastrophen vorgehen? Und die Antwort war erstaunlich – Fould bot keine politischen Lösungen oder entwickelte kluge Strategien, sondern er sagte: „Das sicherste Mittel im Kampf gegen Katastrophen ist das Gebet.“

Auch heute leben wir in unruhigen Zeiten, wir hören oder lesen täglich neue Katastrophenmeldungen. Und viele sind verunsichert, fühlen sich von der Situation überfordert und fragen sich: Wie kann man am besten gegen die Katastrophe vorgehen? Halten wir uns doch an den Ratschlag von Fould und beten wir. Das Beten soll kein Ersatz für Handeln sein – so hat es Fould sicher nicht gemeint und auch nicht gemacht. Schließlich war er Politiker, kein weltabgewandter Träumer. Und auch wir heute brauchen dringend Menschen, die handeln und z.B. Kranke versorgen, an Impfstoffen forschen oder Schutzkleidung herstellen. Aber das Beten soll vor allem Handeln kommen. Und wenn das Handeln schwierig wird (viele von uns sind gerade gezwungen, daheim zu sein und ihre Aktivität ist eingeschränkt), dann ist Beten das Beste, was wir tun können – für uns und für andere.

Und warum ist Beten das sicherste Mittel im Kampf geben Katastrophen? Weil es uns bewusst macht, dass es jemand gibt, der das Geschick dieser Welt lenkt – und das sind nicht wir mit unsrer Aktivität, sondern das ist Gott. Das Gebet lenkt den Blick weg von uns und unseren Sorgen und hin zu Gott – zu dem Gott, der sagt: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“ (Jes 66,13).

Ich möchte Sie ermutigen, in dieser unruhigen Zeit auf die Kraft des Gebets zu vertrauen und Gott Ihre Klagen, Bitten, Fürbitten, aber auch Ihren Dank zu bringen. Besonders den Dank sollten wir gerade nicht vergessen und uns öfter bewusst machen, für wieviel wir dankbar sein können – Gott und auch unseren Mitmenschen.

Ihre Pfarrerin Verena Reinmüller