Neues von den Küken

Küken interessieren sich nicht für Inzidenz-Werte. Bei optimalen Bedingungen schlüpfen sie nach ca. 21 Tagen aus den befruchteten Eiern, auch wenn sich die Welt um sie herum im Lockdown befindet.

Wir waren sehr traurig, dass unser Projekt nach gerade mal einer Woche von einer erneuten Schließung der Kitas durchkreuzt wurde. Die Kinder, die für die Notbetreuung angemeldet waren, konnten natürlich weiterhin die Entwicklung der Eier weiterverfolgen und alles Wichtige im Küken- Tagebuch festhalten. Doch was war mit den anderen, die nun zuhause sein mussten?

Der Technik und der Menschen, die sich damit auskennen, sei Dank haben wir dazu mehrere Wege gefunden.

Das zweite „Schieren“, also das Durchleuchten der Eier nach zwei Wochen haben wir gefilmt und als YouTube-Film allen zugänglich gemacht. So konnten wir hoffentlich ein wenig die Faszination vermitteln, die wir hier im Kindi erleben durften: In neun von zehn Eiern hat sich das Leben weiterentwickelt und wir konnten die Umrisse der Küken erkennen und deutlich sehen, wie sie sich bewegen!

Nun näherten wir uns langsam aber sicher dem Schlupf-Tag und eine Lösung musste her, damit alle die Möglichkeit hatten, zumindest virtuell dabei zu sein. Eine Webcam wurde installiert, die den Brut- Apparat fest im Blick hatte. Pünktlich am 21. Tag am Abend ging es los: Ein erstes Loch war von innen angepickt und am nächsten Morgen konnte man schon das Schnäbelchen bei der Arbeit sehen und ein deutliches Piepsen vernehmen. Auch die anderen Eier bewegten sich, und nach und nach waren in sieben weiteren kleine Löcher zu sehen. Fasziniert konnten wir beobachten, wie die Küken schon aus dem Ei raus miteinander kommunizierten und sich „zum Schlupf verabredeten“…

Unser Erstgeborener hatte es dann sehr eilig und schlüpfte doch von uns unbemerkt während der Team-Sitzung am Nachmittag.

Am nächsten Morgen erwartete uns dann eine wunderbare Überraschung: fünf weitere Küken waren über Nacht geschlüpft! Und um das Erlebnis noch perfekt zu machen, konnten wir zwei weiteren tatsächlich dabei zuschauen, wie sie sich unter großer Anstrengung aus ihrem Ei herausschälten!

Die frisch geschlüpften Küken bleiben im Brut-Apparat, bis sie ganz getrocknet sind. Wir haben gelernt, dass sie in dieser ersten Zeit keine Nahrung benötigen, da sie sich noch vom kurz vor der Geburt eingezogenen Dottersack ernähren.

Am Freitag stand dann der Umzug ins Küken-Heim an: Gemeinsam mit den Kindern bereiteten wir alles vor: wir füllten frisches Streu in die eigens von einem Zimmermann gebaute Box, wir setzten eine Wärmeplatte hinein, unter die die Kleinen schlüpfen können, um sich zu wärmen; denn das ist ganz wichtig, wenn sie ohne Glucke aufwachsen. Außerdem sorgten wir für frisches Wasser und Küken Mehl. Unsere Küken erkundeten gleich neugierig ihr neues Zuhause, und die Kinder konnten beobachten, dass sie tatsächlich erstmal ein wenig Anleitung beim Körner-Picken brauchen: Mit dem Finger „pickten“ wir an die Stelle, an der das Futter lag – und die Küken machten es nach.

Nun bleiben die Küken noch eine ganze Weile bei uns im Kindi und wir werden uns gut um sie kümmern! Wenn sich ihr Federkleid ganz entwickelt hat, werden sie dorthin umziehen, wo sie dann wohnen bleiben.

Bleibt gespannt, wir werden wieder berichten :)

Wir haben uns riesig gefreut, dass die Kinder zuhause trotzdem großen Anteil an unserem Projekt genommen haben! Zahlreiche Rückmeldungen erhielten wir per Email: Die Webcam wurde fleißig genutzt und ganze Familien saßen gespannt davor. Ebenso wurde unsere Kindergarten-Dropbox, die wir schon im ersten Lockdown eingerichtet hatten, mit den neuesten Photos und Infos bestückt und regelmäßig besucht.

Es wurden Bilder für uns gemalt, vom Brut-Apparat, und kleine Wolle-Küken gebastelt. Ein Kind feierte sogar einen richtigen Küken-Geburtstag, mit Plätzchen, Blumen, Kerzen und Deko. Ein anderes Kind erlebte den Schlupf per Handy live beim Einkaufen und ließ den halben Laden daran teilhaben.